Zwei Franken, ein Metzger und ein Medienprofessor, haben vor Monaten mit einigen Gleichgesinnten die Wurst zwar nicht neu erfunden, aber sie von unnötigen künstlichen Zutaten befreit. Das hat unser Vorstandsmitglied Wolfgang Hubert mit Vergnügen aufgeschnappt und die beiden Wurst-Revolutionäre interviewt.

Herr Professor Moritz, Herr Alles, Sie haben beide im Dezember 2016 den Verein „Fränkisches Wurst-Reinheitsgebot“ gegründet und fordern Geschmacksverstärker, also Glutamatwürzmischungen, raus aus der Wurst. Weshalb reagieren Sie so allergisch auf die doch so beliebten Geschmacksverstärker in unserem Essen?

Kilian Moritz: Das Echo auf das „Fränkische Wurst-Reinheitsgebot“ ist überwältigend positiv und eindeutig: So viele Leute schreiben uns von ihren Unverträglichkeiten gegenüber all dem Glutamat in unserem Essen, von der Wurst über Knabbergebäck und Brühwürze bis hin zum klassischen Glutamat-Asia-Restaurant. Fast überall sind künstliche Geschmacksverstärker drin und viele Verbraucher haben die Nase voll davon.
Aber zum Glück gibt es aufrichtige Metzgermeister und Gastronomen, die sagen: Man kann Geschmacksvielfalt auch mit natürlichen Gewürzen erzielen!

Markus Alles: Wir sind schon seit Eröffnung unserer Metzgerei darauf bedacht so wenig Zusatzstoffe wie möglich in die Wurst zu tun. Und Geschmacksverstärker sind, meiner Meinung nach, völlig überflüssig. Durch die Zugabe von ausgewählten Naturgewürzen ist auch ein abgerundeter Geschmack möglich. Ich sage: “Guter Geschmack braucht kein Glutamat!”

Wenn es um die Wurst geht, reagieren nicht nur die Franken dünnhäutig. Kann man denn den so genannten Otto Normalverbraucher dazu bewegen, auf Wurst ohne Glutamatwürzmischungen auszuweichen?

Markus Alles: Auf jeden Fall. Es kommen immer mehr Kunden auch gezielt zu uns und fragen, ob wir Geschmacksverstärker verwenden. Wir können sogar Skeptiker davon überzeugen, unsere Wurst zu probieren. Bis jetzt immer mit einem großen “Wow”- Effekt.

Kilian Moritz: In der Tat, wer wirklich traditionell gemachte, individuell gewürzte Würste probiert hat, ist begeistert. Allerdings wissen die meisten Kunden leider erst mal gar nicht, dass auch ihr freundlicher Metzger die Theke meist voller Glutamat-Wurst hat.
Dass es auch anders geht, zeigen die Metzgermeister in unserem Verein, die sich verpflichten, nach dem „Fränkischen Wurst-Reinheitsgebot“ zu arbeiten. Und wenn ein Metzger in seinem Laden zum siebten oder elften Mal nach Wurst ohne Geschmacksverstärker gefragt wird, wird er über kurz oder lang auf natürliche Gewürze umsteigen. So einfach ist das.

Ist die „Reine Wurst“ nicht teurer als die „Glutamat-Wurst“?

Markus Alles: Nicht zwingend. Natürlich sind Rohgewürze etwas teurer als Gewürzmischungen, aber von hochwertigen Gewürzen braucht man weniger.

Kilian Moritz: Ich habe in selbsternannten Nobel-Metzgereien oft schon teurere Wurst gesehen in schöner Designer-Schnickschnack-Verpackung, aber leider voller künstlicher Geschmacksverstärker. Das ist ein permanentes Ärgernis.

Wo kann man sich darüber informieren, wer sich am Fränkischen Wurst-Reinheitsgebot beteiligt?

Markus Alles: Es ist geplant, in Kürze eine Internetseite zu gestalten, in der dann die Mitgliedsbetriebe in einer Liste und auf einer Landkarte zu finden sind.

Ortsverband Schwarzenbruck
Bündnis 90/Die Grünen