Der Herr der Bälle

In den 1990er Jahren produzierte Robert Weber für Henry Maske eine Boxkollektion. Dann stieg der Nürnberger wieder auf seine alte Leidenschaft, Fußbälle, um. Von ihm haben wir Schwarzenbrucker Grünen auch die Fairtrade-Bälle gekauft, die wir an unsere Grundschule und an den Hort übergeben haben.

Herr Weber, wie kamen Sie auf die Idee Fairtrade-Fußbälle zu produzieren?
Robert Weber: Ich habe im Grunde schon immer Fußball gespielt und nach meiner Arbeit als Produkt-Manager beim Nürnberger Sportartikel-Hersteller Berg habe ich mehrere Jahre in den USA gelebt und dort als Fußballtrainer bei einer High School in Florida gearbeitet. „Meine“ Fußball-Girls hatten im Jahr 2000 dann die Idee, einen individuellen Ball mit ihrem Schul-Logo von mir produzieren zu lassen.
Zurück in Deutschland habe ich 2008 Bad Boyz Ballfabrik gegründet und 2013 nach einer Umstrukturierung zugleich Fairtrade-zertifizieren lassen. Nachdem wir von Anfang an auch bei Fairtrade-zertifizierten Herstellern eingekauft haben, weil uns schon damals soziale Verantwortung und Gerechtigkeit wichtig war, haben wir die Zertifizierung problemlos bekommen.

Wie wird denn überwacht, dass nach den Fairtrade-Richtlinien produziert werden?
Robert Weber: Zunächst besagt die Fairtrade-Zertifizierung, dass sowohl wir als Marke, als auch der Hersteller zertifiziert sein müssen. Der Hersteller/die Fabrik wird dabei mindestens einmal jährlich von Flocert, einer Zertifizierungsgesellschaft, die im Auftrag von Fairtrade tätig ist, kontrolliert. Die Checkliste umfasst 398 Punkte in verschiedenen Kategorien wie zum Beispiel Arbeitsplatzbedingungen, Frauenrechte, Gesundheitsvorsorge oder Gewerkschaftsrechte. Außerdem sind wir mindestens einmal pro Jahr selbst vor Ort, um uns entsprechend zu informieren. Und natürlich gibt es keine Kinderarbeit.

Wie reagieren denn Spieler und Funktionäre auf Fairtrade-Bälle?
Robert Weber: Die Frage müsste wohl eher lauten: wie reagiert der Fußball-Markt auf Fairtrade-Bälle? Wir unterteilen den Markt in kommunale Stellen, also Schulen, Stadt- oder Gemeindeverwaltungen, Vereine und Endverbraucher. Wir haben natürlich nicht einmal im Ansatz Marketing-Budgets wie die großen Marken, also setzen wir auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Bei den kommunalen Stellen rennen wir im Augenblick offene Türen ein, in dieser Zielgruppe sind Fairer Handel und Nachhaltigkeit keine Fremdwörter, bei vielen Vereinen leider schon. Aber auch hier gibt es schon positive Beispiele.

Nun gibt es verschiedene Ballqualitäten, welche Fußbälle empfehlen Sie?
Robert Weber: Generell gilt für Vereine natürlich, dass man zum Spiel einen hochwertigen Wettkampfball einsetzt und zum Training einen eher preiswerten Trainingsball wählt. Letztendlich ist die Entscheidung aller Zielgruppen aber meist eine Frage des Budgets.

Sie produzieren auch Bälle für andere Sportarten?
Robert Weber: Wir produzieren auch Handbälle und Volleybälle. Speziell im Handball-Bereich ist die Resonanz bei den Schulen sehr gut.

In welchen Städten oder Vereinen spielt man bereits mit Ihren Fairtrade-Bällen?
Robert Weber: In der Stadt München spielen bereits alle Schulen damit, auch in Hannover, Bonn und Landshut, um nur einige zu nennen. Im kommunalen Bereich kommt derzeit fast täglich ein neuer Kunde dazu.
Bei den Vereinen ist der FC Amberg in der Bayernliga zu nennen, mit dem wir einen Ausrüstungs- und Kooperationsvertrag haben. Außerdem dürfen wir das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und das Auswärtige Amt zu unseren Kunden zählen. Das macht uns besonders stolz.

PS: Am Freitag, den 12. Mai, hält Robert Weber einen runden Vortrag über Fairtrade-Bälle. Ort: Restaurant Schwarzachstube, Siedlerstraße 2, Schwarzenbruck. Beginn: 19 Uhr. Eintritt frei.

Ortsverband Schwarzenbruck
Bündnis 90/Die Grünen